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Klettersteig Technik: Kraftsparend und sicher (Viele Tipps)

von Tom | Aktualisiert am 18. November 2022 | Lesezeit 6 Minuten

Wir erinnern uns: Während man sich zwischen zwei Verankerungspunkten bewegt, also klettert, müssen immer beide Karabiner ins Stahlseil eingehängt werden und ist die Stelle noch so leicht.

Das Karabinerhandling ist eine Sache, die richtige Klettersteig Technik die andere. Deswegen beschäftigen wir uns in diesem Artikel mit der richtigen Bein- und Armtechnik sowie mit kraftsparendem ökonomischen Klettern.

So geht dir am Berg nicht so schnell die Puste aus, und du hast viel mehr Spaß bei der Sache.

Willkommen zum Beitrag Klettersteig Technik

Abhängig von der Steilheit des Geländes und der Felsbeschaffenheit kannst du folgende Grund Klettersteig Technik anwenden.

  • Quer zum Seil klettern (links oder rechts neben dem Seil)
  • Übers Seil steigen (steile Reibungspassagen)

Deine Position zum Seil

Wichtig bei diesen zwei Techniken ist, kleine Schritte zu machen. Die meiste Zeit wirst du links oder rechts oder unter dem Seil klettern. Bei sehr steilen Reibungspassagen hilft diese Technik jedoch nicht mehr viel weiter, da es dich vom Seil wegdrehen wird, wenn du neben dem Seil kletterst.

Hier hilft es ungemein, einfach über das Seil zu steigen und das Stahlseil zwischen die Beine zu nehmen. Lass dabei die Karabiner ruhig los und unten zwischen den Beinen am Seil mitlaufen. So bleibst du in der Lage stabil und kannst dich dann Schritt für Schritt am Seil bis zum nächsten Umhängepunkt hochhangeln.

Benutze dabei aber nicht nur deine Arme sondern vor allem die Beine. Mehr dazu weiter unten, doch sind gute griffige Klettersteighandschuhe bei dieser Technik auch stark von Vorteil.

Stemmen und Bohrhaken nutzen

Wenn eine Felsstruktur vorhanden ist, versuche auch ruhig mal die Klettersteig Technik „Stemmen“ anzuwenden. Hierbei stützt du dich mit einer Hand auf einem Felsen ab und drückst dich hoch. Probiere es ruhig mal – es ist äußerst effektiv und auch kraftsparend.

Steige auch ruhig auf die Befestigungsanker. Alles ist erlaubt auf Klettersteigen.

Hierzu kann ich dir ganz besonders das Buch Die 4. Dimension: Kletter- und Boulderlehrbuch von Gerald Krug empfehlen.

Es behandelt alle grundlegenden Techniken des Kletterns in verschiedenen Steilheiten des Geländes. Das Buch ist eigentlich fürs Bouldern gedacht, lässt sich aber zum Teil auch sehr gut aufs Klettersteigen übertragen. Sehr wichtig ist die folgende Regel:

Immer am langen Arm hängen

Diese Klettersteig Technik kommt ursprünglich aus dem reinen Klettersport und spart extrem viel Kraft. In angewinkelter Position braucht man viel mehr Kraft. Auch wenn das auf den ersten Blick etwas Mut erfordert, sich vom Felsen weg nach unten hängen zu lassen, solltest du dich hier einfach trauen.

Dabei kann auch ruhig der Griff mit einer Hand am Bohrhaken erfolgen, wenn dir das Seil zu „labberig“ erscheint. Besonders an steilen Passagen ist der sehr gut zu greifende Bohrhaken vorzuziehen, da er sich nicht bewegt und man ihn gut umgreifen kann.

Das Drahtseil dagegen schwingt mit, und man neigt dazu abzurutschen. Dabei solltest du bei dieser Klettersteig Technik stets einen „weichen Griff“ verwenden, das heißt, du solltest einen Felsgriff, einen Eisenbügel oder das Drahtseil selbst immer nur so stark festhalten wie nötig.

Als Anfänger neigt man oft dazu, sich derartig stark festzuklammern, als wolle man einen Eisenbügel verbiegen oder ein Stück Fels rausbrechen.

Tipp bei Quergängen: Das Seilstück unmittelbar hinter oder vor dem Bohrhaken, wo das Seil geklemmt ist, ist auch meist ziemlich starr und gut zum Festhalten.

Klettersteig Technik – Beinarbeit

Besondere Bedeutung bei der Klettersteig Technik kommt der Tritttechnik zu. Eine saubere Tritttechnik verhindert, dass dir auf schwierigen und langen Klettersteigen, wie zum Beispiel dem Drachenwand Klettersteig am Mondsee die Kraft ausgeht.

Denke immer daran: Jeder Beinmuskel ist stärker als der trainierteste Bizeps. Darum sollte die Hubbewegung am Klettersteig möglichst viel aus den Beinen heraus erfolgen. Dazu ist es aber erforderlich, kleine Tritte und Leisten im Felsen sauber anzusteigen, ohne dabei wegzurutschen. Man muss seine Schuhspitzen präzise platzieren.

Diese Klettersteig Technik erfordert einerseits gutes Schuhwerk aber auch einiges an Übung und Koordination. Auch das Steigen auf Reibung wird zunächst schwer fallen, weil der Anfänger meist dem Material zu wenig vertraut. Außerdem ist es ein ungewohnter Eindruck, auf einer scheinbar glatten Felsoberfläche laufen zu können, ohne dass man abrutscht.

Das Steigen auf Eisenbügel, Eisenstifte und Leitern sollte ebenfalls geübt werden. Das Metall von solchen künstlichen Tritthilfen ist oft glatt und die Auftrittsflächen klein, was einen besonderen Gleichgewichtssinn erfordert.

Klettersteig Technik – Armkraft

Wie oben schon angesprochen, sollte man stets mit gestreckten Armen klettern, da dies wesentlich an Kraft einspart. Viele Passagen von schwierigen Klettersteigen bewegen sich im senkrechten und teilweise auch überhängenden Bereich. Solche Stellen lassen sich leider nicht nur durch sehr gute Klettersteig Technik meistern. Hierbei ist auch eine hohe Arm- und Fingerkraft nötig.

Trainiere diese am besten noch zu Hause. Klimmzüge sind hier eine sehr gute Übung. Übertreibe hier aber nicht maßlos. Du musst keine 20 Klimmzüge schaffen, um am Klettersteig zu bestehen. Einer reicht. Echte „Maximalkraft-Stellen“ kommen nur sehr vereinzelt vor – außerdem bleibt immer Zeit zum Ausruhen.

Vor allem beim Umhängen wird deine Armkraft gefordert, da man dann meist unangenehm vom Felsen abgedrängt wird und nach hinten hängt. Deine Armkraft ist aber begrenzt, so dass man in einfacheren Passagen die Arme nur zum Gleichgewichthalten benutzen sollte. Die Aufwärtsbewegung muss unbedingt aus den Beinen heraus erfolgen.

Klettersteig Technik – Schlüsselstellen

Klettersteige sind fast immer mit sogenannten Schlüsselstellen ausgestattet. Das sind kurze Abschnitte, die besonders schwer zu bewältigen sind – schwieriger als der Durchschnittschwierigkeitsgrad des gesamten Klettersteigs.

Oft werden solche Stellen von den Erbauern der Steige bewusst ziemlich am Anfang eingebaut, um gleich mal die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Manchmal befinden sich die Schlüsselstellen aber auch in der Mitte, oder – was auch vorkommt – erst gegen Ende des Steigs.

Vor diesen anspruchsvollen Stellen sollte man unbedingt Rastmöglichkeiten nutzen, um sich mental und auch körperlich auf diese anspruchsvollen Abschnitte vorzubereiten. Jedoch vermeide es, allzu lange darüber nachzudenken. Die Schlüsselstelle selbst sollte dann zügig und ohne Zögern konzentriert durchstiegen werden. So wird Kraft eingespart und das Sturzrisiko minimiert.

Klettersteig Technik – Quergänge

Solche Teilstücke auf Klettersteigen verlaufen zwar fast horizontal, doch am Anfang kosten solche Passagen sicherlich etwas Überwindung. Bei Quergängen ist es angeraten, das Seil mit gestreckten Armen zu greifen, sich also ein wenig nach hinten raus zu lehnen.

Bleiben die Arme angewinkelt, weil man möglichst nahe am Fels und Drahtseil bleiben möchte, ermüden diese sehr schnell. Vor allem die Unterarme werden „dick“ und es verlässt einen schnell die Kraft.

Das Nach-Außen-Lehnen dieser Klettersteig Technik hat noch einen zweiten positiven Effekt. Es wird durch den weiter außen liegenden Körperschwerpunkt mehr Druck auf die Füße gebracht, die ja die Hauptlast übernehmen sollen. Für den Anfang oder bei sehr ausgesetzten Quergängen, kann man auch gerne seine Bandschlinge mit Rastkarabiner einsetzen, wenn einem das Rauslehnen nicht ganz geheuer ist.

Flüssiger, kraftsparender Bewegungsablauf

Ein ökonomischer Bewegungsablauf ist dann gegeben, wenn die Armtechnik und Beintechnik gut aufeinander abgestimmt sind. Als Anfänger solltest du dich immer daran erinnern, warum es „Klettersteig“ heißt und nicht etwa „Kletterzug“.

Versuche dich nicht hektisch am Seil nach oben zu hangeln, wenn es spannend und steil wird. Arbeite bei dieser Klettersteig Technik hauptsächlich mit den Beinen, denn deine Beinmuskeln sind um ein Vielfaches stärker als deine Oberarmmuskeln.

Benutze die Arme hauptsächlich dazu, um deinen Körper nahe an der Wand zu halten. Pass dabei auf, dass du die Arme nicht zu stark anwinkelst, denn das raubt dir wieder die Kraft. Klettere am langen Arm.

Du solltest vor allem versuchen, vorausschauend zu klettern. Oft ist es besser, mehrere kleine Schritte zu machen als einen großen. Dabei immer nach geeigneten Tritten im Felsen Ausschau halten. Drei kleine und dafür sorgfältig ausgewählte Tritte sind viel ökonomischer und sparen einiges an Kraft, die man später für Schlüsselstellen dann gut gebrauchen kann.

Ein Paradebeispiel eines Klettersteigs für Fortgeschrittene, der völlig ohne Tritthilfen auskommt, ist der Leite Klettersteig bei Nassereith. Hierbei kann man die Klettersteig Technik sehr schön üben. Der Klettersteig ist auch nicht überlaufen – ein ideales Trainingsgebiet also. Dieser Klettersteig ist auch Teil meiner 5-Steige-Formel.

Klettersteig Technik – Routine bekommen

Du kannst deine Bewegungsökonomie und den Bewegungsfluss stetig verbessern, indem du leichte Klettersteige häufig begehst und jedes Mal versuchst, noch kraftsparender zum Ziel zu kommen. Hierbei wird auch der gewisse „Blick“ entwickelt, wie eine Stelle mit der optimalen Klettersteig Technik möglichst einfach geklettert werden kann.

Außerdem bekommst du ein zunehmendes besseres Bewegungsgefühl und damit eine Art Routine. Das hilft dir später ungemein auf schwierigen Klettersteigen.

Klettersteig Technik – Zusammenfassung

Fassen wir noch einmal die wichtigsten Punkte der Klettersteig Technik zusammen.

  • Hauptsächlich mit den Beinen arbeiten
  • Am langen Arm klettern
  • kleine, sorgfältig ausgewählte Schritte machen
  • mit gestreckten Armen umhängen
  • zügig Schlüsselstellen durchsteigen
  • Das Seil zwischen die Beine nehmen, wenn es steil wird (Reibungsklettern)

In diesem Beitrag hast du die grundlegende Klettersteig Technik gelernt. Du hast gelernt, auf was es beim kraftsparenden ökonomischen Klettern ankommt und kannst nun die verschiedenen Techniken auch in der Praxis einsetzen. Im nächsten Beitrag wird es um die Sicherungs- und Gehtechnik an „Zusatzelementen“ am Klettersteig, wie Seilbrücken, Leitern gehen.


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