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Klettersteig Schwierigkeitsgrad (Anschaulich erklärt)

von Tom | Aktualisiert am 15. Juli 2022 | Lesezeit 7 Minuten

Bevor man sich an eine Via Ferrata wagt, ist es wichtig und hilfreich zu wissen, in welchen Klettersteig Schwierigkeitsgrad diese eingestuft ist. In diesem Ratgeber lernst du, dass es noch keinen länderübergreifenden Standard gibt und welche Schwierigkeiten die einzelnen Schwierigkeitsgrade für dich am Klettersteig bedeuten.

So kannst du sehr gut einschätzen, ob sich die Fahrt dahin lohnt, oder ob der Steig doch vielleicht eine Nummer zu groß für dich ist.

Ebenso erfährst du, was der Begriff „Einstiegsprüfung“ bedeutet. Zum Schluss erzähle ich dir noch etwas über die „Genussklettersteigstufe D“, die jeder Klettersteigbegeisterter erreichen sollte und meiner Meinung nach auch kann. Ein Überblick über die Schwierigkeitsskala in anderen Ländern rundet den Beitrag ab. Lass uns loslegen. 🙂

Noch kein Standard für den Klettersteig Schwierigkeitsgrad

Für die Bewertung eines Klettersteigs gibt es leider noch keine allgemeingültige Schwierigkeitsskala. Am bekanntesten ist die „Hüsler-Skala“ nach Eugen Hüsler, der diese verbal, „wenig schwierig“ bis „extrem schwierig“ und mit Stufen K1 bis K6 bezeichnet hat. In Deutschland und Österreich hat sich jedoch bisher die Buchstabenskala von Kurt Schall durchgesetzt.

Er hat die Hüsler-Skala mit einem detailliertem Anforderungsprofil ergänzt. Sie reicht von A (leicht) bis E (extrem schwierig). Nachfolgend findest du die Schwierigkeitsgrade von Klettersteigen, angelehnt an die Skala von Kurt Schall. Du kannst jeden einzelnen Grad aufklappen, indem du draufklickst. Es öffnen sich dann detaillierte Beschreibungen zu den einzelnen Bewertungen.

Schwierigkeitsgrade am Klettersteig

Klettersteige oder Abschnitte mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad A haben keine besonderen Anforderungen. Das Gelände ist meist flach, kann aber schon felsig oder von Felsen durchsetzt sein. Weitere Merkmale können Drahtseile, Tritthilfen und Leitern sein, die vereinzelt auftreten können.

Ausgesetzte Passagen sind ebenso möglich. Mit entsprechender Erfahrung kann man auf eine Nutzung der Sicherheitseinrichtungen noch verzichten. Eine Klettersteigausrüstung ist empfehlenswert. Erfahrene Bergsteiger werden hier aber sicherlich noch darauf verzichten. Trittsicher und schwindelfrei sollte man jedoch sein.

Als Klettersteige mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad B werden einfache bis mäßig schwierige Klettersteigpassagen bezeichnet, die jedoch bereits kraftraubend sein können. Das Gelände ist steil mit ausgesetzten Abschnitten auf kleinen Trittstiften oder Eisenbügeln.

Auch senkrechte längere Leitern sind bei dieser Schwierigkeitsskala möglich. Eine Klettersteigausrüstung wird empfohlen. Obwohl Geübte noch darauf verzichten können, muss bedacht werden, dass Schwierigkeiten bis zum 3. Grad nach UIAA zu erwarten sind. Bessere Kondition mit adequater Beintechnik sowie Armkraft ist von Vorteil.

Steige mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad C sind anstrengend und kräftezehrend. Das Gelände ist steil, oft sehr ausgesetzt, und diese ausgesetzten Passagen werden häufiger und länger. Senkrechte, bis leicht überhängende Leitern sind möglich. Eisenklammern und Trittstifte können mitunter sehr weit auseinander liegen oder bei kurzen Aufschwüngen auch ganz fehlen.

Gute Kondition ist erforderlich, da längere Anstiege in diesem Grad bereits zu den großen Klettersteigunternehmungen zählen. Eine Klettersteigausrüstung wird obligatorisch und ist dringend zu empfehlen. Anfänger und Kinder sind gegebenenfalls an ein Sicherungsseil zu nehmen.

Steige mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad D sind sehr schwierig, sehr anstrengend und sehr kräfteraubend. Das Gelände ist oft senkrecht oder bereits überhängend. Das Umhängen an solchen Passagen ist sehr kräftezehrend in teilweise unangenehmen Positionen.

Eine Bandschlinge mit Rastkarabiner ist empfehlenswert. Eisenklammern und Trittstifte sind bei dieser Schwierigkeitsskala entweder gar nicht mehr vorhanden oder nur sehr spärlich verbaut. Wenn es welche gibt, liegen diese meist sehr weit auseinander. Eine Klettersteigausrüstung ist unbedingt erforderlich. Hohe Armkraft und überdurchschnittliche Kondition wird benötigt. Für Anfänger und Kinder sind solche Klettersteige nicht empfohlen.

Klettersteige mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad E sind extrem schwierig, äußerst anstrengend und äußerst kräfteraubend. Das Gelände ist meist überhängend, wo ein sehr hohes Maß an Armkraft, Fingerkraft, Moral und spezieller Beintechnik nötig ist. Turnerische Fähigkeiten sind sehr von Vorteil.

An diesen Maximalkraft-Stellen gibt es oft nur ein bis zwei Versuche. Selten gibt es senkrechte leichtere Passagen. Im Übrigen gelten für die Sicherungen alle Angaben wie unter „D“ beschrieben, nur sind diese noch stärker ausgeprägt. Dieser Klettersteig Schwierigkeitsgrad ist den Spezialisten vorbehalten und für Anfänger, Fortgeschrittene und Kinder tabu.

Grundsätzlich ist zu einem schrittweisen Vorantasten von leichten (A) zu schwierigen Klettersteigen (D) zu raten, um so ein Gefühl für die verschiedenen Schwierigkeitsgrade zu bekommen.

Dabei rate ich dir, auch ruhig Zwischenstufen, also zum Beispiel von B nach B/C oder C nach C/D in Betracht zu ziehen. Der Unterschied ist manchmal größer als man denkt…

Einstiegsprüfung

Damit die eigenen Fähigkeiten noch rechtzeitig ausgelotet werden können und vor allem zeitig umgedreht werden kann, ist am Einstieg oder kurz danach bei vielen Klettersteigen bereits bewusst die schwierigste Stelle eingebaut. Sie wird dann als Schlüsselstelle bezeichnet.

Oft findet man direkt danach auch einen Notausstieg, den man tunlichst benutzen sollte, sofern man an dieser Stelle schon arge Probleme hatte. Leider besitzen jedoch nicht alle Steige solch einen Notausstieg – darum aufmerksam vorher die Topo studieren. Was das ist? – dazu später mehr.

Auch die Länge ist entscheidend (Höhenmeterdifferenz)

Beachte aber bei überwiegend leichten Klettersteigen im alpinen Bereich auch immer die Länge des Klettersteigs. Hierbei ist allerdings nicht die Weglänge sprich Seillänge gemeint, sondern die Höhenmeterdifferenz.

Selbst wenn diese Klettersteige in der Schwierigkeitsskala vorwiegend mit Schwierigkeit B oder B/C angegeben sind, kann ein kurzer Aufschwung mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad D oder eine stark ausgesetzte Passage sehr schnell zur Falle werden, weil die Kraft nicht mehr reicht.

Ab wann wird es anstrengend?

Damit du etwa abschätzen kannst, ab wann es anstrengend wird, hier eine kleine Empfehlung von mir: Wenn du erstmal 400 HM (Höhenmeter) im Klettersteig Schwierigkeitsgrad B bis B/C geklettert bist, kannst du davon ausgehen, dass die Kraft für eine C/D oder D-Stelle weiter oben nicht mehr reichen wird.

Das ganze ist natürlich stark von deiner körperlichen Verfassung und auch Außentemperatur abhängig und soll nur als Anhaltspunkt dienen. Abweichungen nach unten und oben sind möglich.

Noch ein Tipp: Manchmal wird tatsächlich in den Beschreibungen die Seillänge des Steigs angegeben. Wenn diese fast gleich ist mit der Höhenmeterdifferenz, kannst du davon ausgehen, dass der Steig auch fast senkrecht nach oben geht. 😉

Die „Genussklettersteigstufe“ C/D bis D

Klettersteig Schwierigkeitsgrad: Drachenwand Klettersteig

Genussklettersteig Drachenwand am Mondsee

Ab diesem gehobenen Klettersteig Schwierigkeitsgrad beginnt die sogenannte Genussklettersteigstufe. Auf diesen Level solltest du kommen. Das hört sich am Anfang vielleicht krass an, aber diese Schwierigkeitsstufe kannst du mit ein wenig Mut und Willen mit dem Absolvieren von gerade mal fünf Klettersteigen leicht erreichen.

Es geht primär nicht darum, Schwierigkeitsgrade bis D meistern zu können, sondern in erster Linie darum, dass du Routine bekommst. Bist du erstmal in der Lage, eine C/D oder kurze D-Stelle zu meistern, so wirst du auf den vielen B/C und C-Stellen künftiger Klettersteige keine Probleme bekommen oder gar Angst haben, so dass diese eben zu Genussklettersteigen werden.

Meine bewährte 5-Steige-Formel

Willst du möglichst schnell vom Anfänger auf diesen gehobenen Fortgeschrittenenstatus im Klettersteig Schwierigkeitsgrad C/D bis D kommen, so empfehle ich dir gerne meine 5-Steige Formel, die sich schon bei zwei Kandidaten erfolgreich bewährt hatte.

Du beginnst ganz sanft mit zwei leichten (aber nicht zu leichten) Steigen, steigerst dich dann im Schwierigkeitsgrad auf C mit Tritthilfen und festigst dein Können anschließend auf einem echten C/D Steig völlig ohne Tritthilfen. Das fulminante Finale deiner „Ausbildung“ wird dann ein kurzer aber knackiger waschechter Steig bis zu Grad „D“ sein.

Danach wirst du in der Lage sein, alle weiteren Steige mit kurzen Passagen (Schlüsselstellen) der Kategorie D erfolgreich meistern zu können. Längere Passagen der Kategorie D bleiben jedoch tabu und werden vom Autor dieser Seiten auch nicht weiter angestrebt.

Klettersteige mit Klettersteig Schwierigkeitsgrad E bzw. F wirst du auf diesen Seiten nicht finden. Solltest du hierbei mehr Anschauungsmaterial (Fotos und Videos) und Erfahrungsberichte benötigen, so kann die sehr gute Seite von Reinhard Vollmer empfohlen werden: www.felsfun.de.

Mehr oder weniger aktuelle Erfahrungsberichte von Begehungen des gewünschten Klettersteigs findet man auch in den großen Portalen: www.klettersteig.de und www.via-ferrata.de

Klettersteig Topos

Ebenfalls gibt es umfangreiche Topo Sammlungen von allen möglichen Klettersteigen. Auf der Seite von www.bergsteigen.com können Topos von sämtlichen Klettersteigen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien kostenlos als PDF heruntergeladen werden, was ich auch jedem ausdrücklich empfehle. Hierbei ist immer zu jeder Passage der Schwierigkeitsgrad angegeben.

Auf meinen Beschreibungen von verschiedenen Klettersteigen, die ich gegangen bin, ist auch immer die passende Topo verlinkt, so dass du sie mit nur einem Klick runterladen und vor deiner Begehung aufmerksam studieren kannst.

Andere Länder

In Italien und Frankreich werden wieder andere Skalen für den Klettersteig Schwierigkeitsgrad verwendet. Diese sind fünfstufig und reichen von F = leicht (facile bzw. facile) bis ED = extrem schwierig (estrema difficolta bzw. extremement difficile).

Wer mehr zu der nicht vereinheitlichen Schwierigkeitsskala wissen möchte, kann sich hier folgendes PDF ansehen: http://www.alpenverein.com/portal_wAssets/z_alt/portal/Home/Downloads/Bergauf_3_09/Plattner_Skalen.pdf


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