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Klettersteigausrüstung – Alles was du wissen musst!

von Tom | Aktualisiert am 27. Juni 2022 | Lesezeit 17 Minuten

Willkommen zu meinem XXL Beitrag zum Thema Klettersteigausrüstung. In diesem ausführlichen Beitrag stelle ich dir die komplette Ausrüstung vor, die du auf einem Klettersteig benötigst.

Was braucht man bei der Klettersteigausrüstung alles an Basiskomponenten, um einen Klettersteig sicher zu begehen? Wie funktionieren diese?

Du erfährst alles zur Klettersteigausrüstung. Angefangen vom Klettersteigset über den Klettergurt bis hin zu geeigneten Klettersteigschuhen und Handschuhen. Auch die Notfallausrüstung wird besprochen. Weiterhin erzähle ich dir etwas über Klettersteig Rucksäcke und sonstiges nützliches Zubehör. Viel Spaß 🙂

Die Basiskomponenten einer Klettersteigausrüstung

Hier gibt es drei Dinge. Zu den Grundkomponenten einer Ausrüstung für den Klettersteig zählen

  • Klettersteigset
  • Kletterhelm
  • Klettergurt

Bei diesen drei Komponenten solltest du auf keinen Fall sparen und nur hochwertige und vor allem neue Markenware kaufen – schließlich hängt davon dein Leben ab.

Das Klettersteigset – zentrale und wichtigste Komponente

Elementare Komponente deiner Klettersteigausrüstung bildet das Klettersteigset. Das Klettersteigset besteht im Wesentlichen aus zwei speziell geformten Klettersteigkarabinern an je einem Y-Ast. Aufgrund dieser typischen Bauform wird ein modernes Klettersteigset auch Y-Set genannt.

Im Gegensatz dazu solltest du ältere sogenannte V-Sets wegen der fehlenden Redundanz nicht mehr verwenden. Bei diesen Sets darf immer nur ein Karabiner ins Seil eingehängt werden, der andere Karabiner bildet dann das Bremssystem. Aber wie gesagt, vergiss diesen Gedanken ganz schnell und verwende für deine Klettersteigausrüstung nur noch aktuelle Y-Systeme.

Bei Versagen eines Karabiners kann hier durch die Redundanz der zweite Karabiner die Last übernehmen und so die Sicherungsfunktion aufrechterhalten. In diesem Zusammenhang möchte ich auch gleich eine Warnung aussprechen:

Finger weg von selbstgebastelten Klettersteigsets! Versuche niemals ein Klettersteigset aus Reepschnüren, Bremsplatten, Karabinern etc. selbst zu basteln. Das ist lebensgefährlich!

Entweder du stürzt gleich ab, wenn das Seil reißt, oder deine Oberschenkel und deine Eingeweide erleiden durch die nicht genau abgestimmte Klettersteigbremse starke innere Verletzungen!

Verwende daher zur eigenen Sicherheit immer industriell gefertigte und normgeprüfte Klettersteigsets.

Karabineräste

Die Äste bestehen meist aus einem robusten Schlauchbandmaterial, oft in Verbindung mit elastischen Komponenten. Der Vorteil dieser elastischen Arme liegt auf der Hand. Man muss nicht mehr zeitraubend am Umhängepunkt nach den Karabinern „suchen“, weil diese weit unten hängen, sondern hat diese schneller griffbereit.

Diese elastischen Komponenten sind bei vielen Sets ein Bestandteil des nicht tragenden Schlauchbandes.

Es gibt aber auch Ausführungen, in denen die elastischen Komponenten in das tragende Material der Äste eingewebt sind. Bevor du ein solches Klettersteigset benutzt, solltest du unbedingt prüfen, ob dieses Set nicht von einem Rückruf betroffen ist.

Nach einem tödlichen Unfall auf einem Klettersteig nahe Walchsee, Tirol gab es 2012 eine große Rückrufaktion von Klettersteigsets mit eingewebten elastischen Fasern.

Eine Untersuchung hat ergeben, dass häufiges Dehnen der Äste das tragende Bandmaterial schwächen kann. Aus diesem Grund wird empfohlen, von der Rückrufaktion betroffene Klettersteigsets aus Sicherheitsgründen nicht mehr zu benutzen.

Klettersteigkarabiner

Klettersteigausrüstung: KlettersteigkarabinerDie Klettersteigkarabiner sind dazu da, um beim Steigen das Klettersteigset der Klettersteigausrüstung in das Stahlseil oder auch Leitersprossen einzuhängen und sich so jederzeit selbst zu sichern. Spezielle Klettersteigkarabiner mit einer großen Schnapperöffnung erleichtern das Einhängen und beschleunigen das Öffnen und Schließen.

Aus Sicherheitsgründen müssen diese eine Verschlusssicherung gegen unbeabsichtigtes Öffnen aufweisen. Außerdem müssen die Klettersteigkarabiner eine hohe Biegefestigkeit aufweisen, da diese Belastungen bei einem Sturz an der Drahtseilverankerung unter Umständen stark erhöht auftreten können – je nachdem in welcher Position der Klettersteigkarabiner auf die Verankerung aufschlägt.

Bandschlinge mit Rastkarabiner

bandschlingeObwohl diese zusätzliche Bandschlinge für die Funktion des Klettersteigsets nicht erforderlich ist, empfehle ich dir dringend, einen solchen Zusatz für die Klettersteigausrüstung anzuschaffen. So kann man in schwierigen Klettersteigen an luftigen Quergängen eine kurze Verbindung zum Stahlseil ermöglichen.

Das ist vor allem wichtig für die Psyche, wenn man hoch über dem Abgrund hängt oder zur Sicherung an einem Fixpunkt beim Fotografieren. Auch bei einem plötzlichen Schwindel- oder Schwächeanfall oder bei einem Stau am Klettersteig in anspruchsvollen Passagen ist diese extrem hilfreich und entlastet die Arme.

Während des Kletterns auf steilen Passagen darf jedoch die Rastschlaufe niemals eingehängt werden, weil man damit das Klettersteigset „kurzschließt“ und die lebenswichtige Klettersteigbremse außer Funktion setzt!

Im speziellen Ratgeberbeitrag Bandschlinge Klettersteig gehe ich genauer auf den richtigen Umgang mit der Rastschlinge ein.

Klettersteigbremse

Die zentrale Komponente eines Klettersteigsets ist der Fangstoßdämpfer, auch Klettersteigbremse genannt. Sie reduziert den Fangstoß bei einem Sturz auf ein für den menschlichen Körper erträgliches Maß.

Weil das Thema so wichtig ist, behandele ich diese lebenserhaltende Komponente in einem eigenen Beitrag. Moderne Systeme weisen einen Bandfalldämpfer auf. Systeme mit einer Seilbremse solltest du nicht mehr verwenden. Diese sind mittlerweile auch vollkommen aus dem Handel verschwunden.

Einbindeschlaufe

Die Einbindeschlaufe am Klettersteigset ist für das Einbinden des Klettersteigsets in die Anseilschlaufe des Gurts gedacht. Sie besteht aus einem sehr robusten textilen Material und ist dabei gerade so groß gewählt, dass das komplette Set samt Fangstoßdämpfer und Karabiner durch die Schlaufe gezogen werden kann und so den Ankerstichknoten bildet.

Verbindung von Klettersteigset und Klettergurt

ankerstich-klettergurtWie wird nun das Klettersteigset (Karabiner und Klettersteigbremse) am Klettergurt befestigt? Mittels Ankerstich an der Einbindeschlaufe des Gurtes. Wie ein korrekt geknüpfter Ankerstich aussieht, siehst du auf dem Bild. Einige werden diesen „Knoten“ vielleicht auch von alten Skikarten gewohnt sein, die man sich in früheren Tagen an einem Gummiband um den Hals gehängt hat.

Das hellgrüne Teil auf dem Bild ist meine oben angesprochene, zusätzliche 60 cm Bandschlinge, an deren Ende der Rastkarabiner angebracht ist. Auch hier verwendet man einen Ankerstich, um die Bandschlinge an der Anseilschlaufe des Gurtes zu fixieren.

Kurzschlussanordnung

Wie auch schon bei Netzteilen im elektrischen Bereich ist die Sicherung gegen Kurzschlüsse eine wichtige Eigenschaft bei der Wahl der Klettersteigausrüstung und insbesondere des Klettersteigsets. Was versteht man unter einer Kurzschlussanordnung?

Eine Kurzschlussanordnung entsteht durch Unerfahrenheit und Fehlbedienung des Benutzers. In diesem Fall wird nur ein Y-Ast in das Stahlseil eingeklinkt, der andere Ast wird in ein tragendes Teil des Klettergurts eingehängt.

Tragende Teile sind z.B. die Einbindeschlaufe oder der Hüftgurt. Bei einem Sturz in dieser Konstellation kann der Fangstoßdämpfer seine Funktion nicht erfüllen, weil seine notwendige Längenexpansion durch den zweiten Y-Ast blockiert (kurzgeschlossen) wird. Die Folge ist, dass der Benutzer zwar aufgefangen wird – dies geschieht aber nahezu ungebremst, was schwere Verletzungen zur Folge haben kann.

Aus diesem Grund solltest du nach Möglichkeit kurzschlusssichere Klettersteigsets vorziehen. Ich werde auf dieses Feature auf meinen Testseiten auch immer hinweisen. Natürlich kannst du auch immer penibel darauf achten, dass immer beide Karabiner ins Stahlseil eingehängt werden, was ich auch dringend empfehle.

Dann spielt kurzschlussfest oder nicht kurzschlussfest keine Rolle, weil ein solcher Kurzschluss dann nie entsteht.

Der Klettergurt

Beim Gurt gibt es drei verschiedene Gurtsysteme mit jeweils Vorteilen und Nachteilen .

Hüftgurt

  • optimale Bewegungsfreiheit
  • einfache Anwendung
  • hoher Tragekomfort
  • gepolsterte Gurte erhältlich (Klettergurte)
  • günstig, da große Stückzahl durch Kletterbedarf
  • bei schwerem Gepäck Risiko nach hinten zu kippen oder rauszurutschen

Kombigurt (Hüft und Brustgurt getrennt)

  • flexibel (auf leichten Steigen kann mal nur Hüftgurt angewendet werden)
  • maximale Sicherheit wenn beide Gurtteile verwendet werden
  • wenig Auswahl (Hüft und Brustgurt sollten vom selben Hersteller sein)
  • erhöhter Zeitbedarf und Aufmerksamkeit beim Verbinden der beiden Gurtteile
  • teurer

Komplettgurt

  • maximale Sicherheit gegen Herausrutschen
  • komplizierte Anwendung
  • Bewegungsfreiheit eingeschränkt
  • nicht so guter Tragekomfort
  • keine gepolsterten Gurte erhältlich
  • teuer

Du siehst, es spricht vieles für einen Hüftgurt. Die meisten Klettersteiggeher sind auch nur mit einem solchen unterwegs. Auf dem Klettersteig zählt schnelle Anwendung, hoher Tragekomfort und Bewegungsfreiheit. Bei Kindern oder Personen mit wenig ausgeprägten Hüften wird jedoch stark empfohlen, aufgrund der Sicherheit gegen Herausrutschen lieber zu einem Komplettgurt zu greifen.

Bei einem Sturz wird der gesamte Körper stabilisiert, und man kann nicht mit dem Kopf nach unten hängen. Beim Kombigurt ist anzumerken, dass der Brustgurt immer zusammen mit dem Hüftgurt verwendet werden muss. Beim Tragen eines Brustgurtes ohne zusätzlichen Hüftgurt besteht Lebensgefahr!

Der Kletterhelm

Ein normgeprüfter Helm gehört immer zur Standardausstattung der Klettersteigausrüstung und sollte sich spätestens  auf dem Kopf befinden, sobald man seine Karabiner in das Stahlseil einklinkt. Er bietet haupsächlich Schutz vor Steinschlag und schützt auch den Kopf bei einem (hoffentlich nicht vorkommenden) Sturz.

Da man den Helm meistens längere Zeit auf dem Kopf trägt, sollte man hier nicht sparen und auf Qualitätsprodukte zurückgreifen. Ein guter Helm sollte folgende Eigenschaften besitzen:

Checkliste Helm

  • gut zu verstellen sein
  • eine optimale Passform (Größe) besitzen
  • leicht sein
  • gute Bewegungsfreiheit bieten
  • über ein gutes Belüftungssystem verfügen

Zusätzlich sollte das Herstelldatum und das Ablaufdatum in der Gebrauchsanweisung vermerkt sein. Die CE-Normprüfung ist sowieso für alle am Markt befindlichen Helme obligatorisch. Manche Produkte erfüllen zusätzlich die strengere UIAA-Norm. Von Fahrradhelmen oder anderen Helmen sollte man absehen. Diese sind für den Klettersteig als Teil der Klettersteigausrüstung nicht geeignet.

Klettersteigschuhe – unverzichtbar bei der Klettersteigausrüstung

BilligschuheUnabdingbar für Klettersteigtouren sind auch ordentliche Klettersteigschuhe. Mach nicht den gleichen Fehler wie ich und zieh mit „Billigtretern“ los.

Es gibt genügend „günstige Bergstiefel“ auf dem Markt, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdienen. Die Sohle dieser meist superleichten Treter ist in vielen Fällen viel zu weich und biegt sich bei kleinster Belastung schon durch.

Spätestens in C-Passagen ohne Tritthilfen wirst du diese verfluchen, da du einfach keinen Druck auf den Felsen bringen kannst und unweigerlich abrutscht. Panikattacken gehören hier leider wieder zur Tagesordnung.

Ich hatte mehrere Klettersteigbegehungen sogar aus diesen Gründen abbrechen müssen (Tajakante, Weiße Gams). Klettersteigschuhe gehören daher unbedingt zur Klettersteigausrüstung dazu. Was sie alles können sollten, findest du in nachfolgender Checkliste.

Gute Klettersteigschuhe – Checkliste

  • bedingt steigeisenfest (hier kannst du Grödeln montieren, z.B. Zugspitze Klettersteig)
  • feste Sohle (Sohle darf sich bei Handkraft nur ganz leicht durchbiegen)
  • knöchelhoher Schaft (Sicherung gegen Umknicken)
  • gutes Profil (wichtig für den Abstieg)
  • „Climbing Zone“ vorne an der Schuhspitze (wichtig für Reibungsklettern)

Manche Leute empfehlen, bei extremen Sportklettersteigen auch spezielle Kletterschuhe anzuziehen. Ich persönlich halte nichts davon, weil man dadurch auch zwei Paar Schuhe auf den Berg schleppen muss. Der Grund ist, dass man mit Kletterschuhen einen längeren Zustieg und auch Abstieg schlecht bewältigen kann, ohne dass die Füße oder die Kletterschuhe größeren Schaden nehmen.

Abgesehen davon, werde ich auf diesen Seiten sowieso keine extremen Sportklettersteige vorstellen, bei denen Kletterschuhe gegenüber festen Klettersteig-Bergschuhen von Vorteil sein könnten. Vergiss daher, dir spezielle teure Kletterschuhe für die Klettersteigausrüstung anzuschaffen.

Du wirst sie auf dem Klettersteig nicht brauchen. Hast du allerdings schon welche, weil du schon kletterst oder boulderst, kannst du sie natürlich gerne benutzen.

Gehen nicht auch feste Turnschuhe?

Auch hier leider ein ganz klares Nein. Obwohl man häufig Leute mit ganz normalen Turnschuhen auf Klettersteigen sieht, solltest du von der Verwendung absehen. Diese Schuhe sind meist viel zu weich und bieten keinerlei Schutz gegen Umknicken. Durch die weiche Sohle wird aber auch das Reibungsklettern durch die oben genannten Gründe unnötig erschwert oder gar unmöglich.

Ebenfalls bieten diese Schuhe auch keinen Schutz vor losem Geröll oder spitzen Steinen. Ein Profil ist auch meist wenig bis gar nicht vorhanden.

Turnschuhe haben deshalb in einer ordentlichen Klettersteigausrüstung nichts verloren.

Der perfekte Schuh für den Klettersteig

Klettersteigausrüstung: Drachenwand Klettersteig Schuhe

Drachenwand Klettersteig, Mondsee mit ordentlichen Klettersteigschuhen

Das wichtigste bei einem ordentlichen Klettersteigschuh ist eine gute Passform. Der Schuh muss perfekt passen. Du darfst auf keinen Fall im Schuh herumrutschen. Die meisten Läden bieten auch eine kleine Terrainfläche mit einer Rampe mit eingeklebten Steinen zum Austesten.

Hierbei ist auf der Abstiegsrampe insbesondere drauf zu achten, dass du oben am Spann zuerst anstößt, bevor du mit den Fußspitzen anstößt. Dies ist enorm wichtig bei langen Bergabstiegen, um schmerzhafte blaue Zehen zu verhindern.

Fallst du keine Möglichkeit hast, die Schuhe in einem Fachgeschäft zumindestens auszuprobieren, kannst du die Schuhe natürlich auch online kaufen. Wenn du sie online kaufst, solltest du möglichst einen Shop wählen, wo du sie auch problemlos umtauschen kannst, zum Beispiel Amazon. Falls du deine Schuhe online kaufen möchtest, bieten wir dir hier die Möglichkeit dazu. Einige Euros können online immer gespart werden.

Andere Teile der Klettersteigausrüstung wie zum Beispiel Klettersteigset, Klettergurt, Handschuhe, Rucksack, Socken etc. kannst du dagegen problemlos bequem im Internet kaufen, da diese universell passt.

Planst du auch Gletscher zu queren (Zugspitze Klettersteig) oder sind (Alt-)Schneefelder zu queren (in höheren Regionen können diese auch im Hochsommer vorkommen), solltest du auf ein bedingt steigeisenfestes Modell achten, wo du auch Grödeln montieren kannst. Grödeln sind die etwas leichtere Variante zu echten Steigeisen und haben meist sechs Zacken, so daß man relativ refahrlos einen Gletscher mit moderater Steigung begehen kann.

Klettersteigausrüstung: Zugspitze Klettersteig Steigeisen Warnschild

Dieses Schild ist ernst zu nehmen aber Grödeln gehen auch 🙂

Folgende Grödeln besitze ich selber und bin sehr zufrieden:

Edelrid Unisex – 6 Point Grödel

38,17 € 45,00 €

inkl. 19% gesetzlicher MwSt.Zuletzt aktualisiert am: 19. Juli 2022 18:01
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Achtung! Einen Gletscher ohne zumindestens Grödeln zu begehen ist wegen der Absturzgefahr und Gletscherspalten lebensgefährlich!

Handschuhe gehören ebenfalls in die Klettersteigausrüstung

Ich empfehle dir unbedingt Handschuhe auf einem Klettersteig zu tragen. Handschuhe sollen verschiedene Dinge erfüllen:

Aufgaben von Klettersteighandschuhen

  • Verletzungen durch aufgespleißte Drahtlitzen vermeiden
  • den Grip am Stahlseil erhöhen (das Sicherheitsgefühl wird in großem Maße erhöht)
  • an kälteren Tagen vor Kälte schützen
  • die Blasengefahr verringern

Wichtig bei den Handschuhen ist, dass sie eng anliegen. Das Öffnen und Schließen der Karabiner sollte uneingeschränkt ohne Fummelei möglich sein. Außerdem müssen diese aus einem Material bestehen, das eine gute Luftzirkulation ermöglicht. Sonst schwitzt man sich einen ab.

Was ist mit Fahrradhandschuhen? Sind diese auch geeignet?

Nein auf keinen Fall. Fahrradhandschuhe solltest du nicht verwenden, da diese meist an den Handinnenflächen gepolstert sind. Durch diese Polsterung rutscht du eher auf dem Stahlseil ab als einen festen Griff zu haben.

Am Anfang dachte ich auch, Geld zu sparen und habe fingerlose Fahrradhandschuhe aus widerstandsfähigem Kevlar verwendet. Gerade in steilen Passagen haben mich diese dann schon einiges an Nerven gekostet.

Wenn man eh schon zu kämpfen hat, sich am Stahlseil festkrallen versucht und man dann auch noch am Stahlseil abrutscht, führt das unweigerlich zu kleinen Panikattacken. Das kann einem schnell den Spaß an der Sache nehmen, und man wirft die schöne Klettersteigausrüstung in die Ecke.

Bei mir hat es sogar schon soweit geführt, dass ich die Fahrradhandschuhe wutentbrannt von den Händen gerissen habe, in den Rucksack verstaut habe und mit bloßen Händen weitergeklettert bin.

Leider ging das nur so lang gut, bis sich an steilen C-Aufschwüngen mal wieder der Angstschweiß an meinen Händen gebildet hat und ich mit klammen Fingern genauso abgerutscht bin. Du siehst schon, geeignete rutschfeste (Klettersteig-)Handschuhe sind Pflicht.

Mein Geheimtipp

Ich empfehle für Klettersteige ab Schwierigkeitsgrad C sehr diese Connex-Handschuhe. Diese Arbeitshandschuhe mit gummierter Handinnenfläche und Fingern kannst du genauso gut in einem OBI oder Hagebaumarkt in deiner Nähe erwerben. Es bietet sich an, einige auf Vorrat zu kaufen, für den Fall dass es sie irgendwann mal nicht mehr gibt und die alten durch aufgespleißte Stahlseile beschädigt werden.

Zu viele sollte man aber auch nicht kaufen, da das Gummi natürlich einer Alterung unterliegt und hart und spröde werden kann. Ich benutze selbst nur noch diese und bin nach wie vor begeistert. Sie haben „Grip ohne Ende“ am Stahlseil. Ein Kumpel von mir hat sie schon die „Spiderman“-Handschuhe genannt.

Das Sicherheitsgefühl wird extrem erhöht. D-Stellen werden mit diesen Handschuhen zu B/C Stellen. Zudem sind sie äußerst robust. Bei mir haben sie schon mehr als 20 Klettersteige gehalten, allerdings habe ich noch ein Paar Reserve auf Lager. Hier gibt es den ausführlichen Test mit Bewertung.

Kommen wir nun zur Notfallausrüstung. Überspringe diesen Abschnitt nicht. Ist es einmal so weit (was wir nicht hoffen) gilt die Devise: Besser HABEN als BRAUCHEN.

Notfallausrüstung zählt zur Klettersteigausrüstung dazu

Für unvorhergesehene Zwischenfälle beim Begehen eines Klettersteigs sollte man zumindestens die Standard Notfallausrüstung dabeihaben.

Standardausrüstung für Notfälle

  • Erste Hilfe Set
  • Mobiltelefon (Handy)
  • Stirnlampe

Das Handy sollte die wichtigen Notrufnummern 112 (Euronotruf) und 140 (Alpinnotruf Österreich) eingespeichert haben. Die Stirnlampe sollte man bei längeren Klettersteigen im Hochgebirge unbedingt dabeihaben, falls man in die Dunkelheit gerät. Frische Batterien nicht vergessen! Gute LED Stirnlampen gibt es zum Beispiel bei Amazon.

Außerdem sollte man warme Bekleidung (Jacke, Handschuhe, Mütze) mitnehmen. Auch wäre hier zusätzlich ein GPS angebracht, falls man beim (ungesicherten) Abstieg in schlechtes Wetter gerät oder sich verirrt. Näheres dazu findest du in meinem XXL Ratgeber GPS am Klettersteig – Sinnvoll oder nicht?

Achtung, bei allen Ausrüstungsgegenständen bitte immer bedenken, dass man diese den ganzen Klettersteig tragen muss und anstrengende Steilstufen hochschleppen muss. Du solltest dich daher auf das Nötigste beschränken.

Ein geeigneter Rucksack für die Klettersteigausrüstung

Kleine Rucksäcke

Klettersteigausrüstung: Kleiner Rucksack

Beim Rucksack gilt die Devise, weniger ist mehr. Nichts ist auf einem Klettersteig nerviger als ein großer klobiger Rucksack, der dich immer wieder in deinen Bewegungen einschränkt und dich beim Steigen behindert. Daher habe ich mir für kurze Klettersteige, wo man kaum Proviant benötigt, extra einen leichten, schmalen Rucksack angeschafft.

Einen ausführlichen Ratgeber von mir zu diesem Thema findest du unter Klettersteig Rucksack.

So hat man maximale Bewegungsfreiheit und kann spezielle Steigtechniken nutzen, ohne dass einen der Rucksack stört. So ein Rucksack ist auch nicht sehr teuer, und die Anschaffung lohnt sich wirklich. So einen ultraleichten schmalen Rucksack gibt es auch als Trinkrucksack.

Du solltest beim Rucksack für talnahe (mein Favorit!) oder kurze Klettersteige auf folgende Dinge achten:

Kleiner, leichter Rucksack – Checkliste

  • geringes Gewicht
  • schlanke Form
  • viele Taschen zum Verstauen von Autoschlüssel, Handy etc.
  • schmaler Hüftgurt (soll nicht beim Anziehen der Beine behindern)
  • Sperrgurt an der Brust (damit die Träger nicht ständig verrutschen)

Insbesondere die schlanke Form und die beiden Gurte sind wichtig, damit der Rucksack bei steilen Passagen und Überhängen nicht verrutscht und dich beim Steigen und/oder Umsetzen der Karabiner behindert. Wasserfest muss er nicht sein, denn bei Regen ist ein Klettersteig sowieso tabu. Die meisten Rucksäcke dieser Art halten aber trotzdem ein wenig Regenwasser stand.

Größere Rucksäcke

Bei langen Alpinklettersteigen oder auch Klettersteigen mit langem Hinweg oder Rückweg solltest du aber dann auf jeden Fall zu einem größeren Rucksack (Volumen 30 Liter) greifen, der auch nötigen Stauraum für Flüssigkeiten und Proviant und Notfallausrüstung mitbringt. Diese Klettersteige fallen dann meistens auch nicht so schwer aus. Die Schwierigkeiten gehen selten bis C.

Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Typischer Kandidat für so einen langen Alpinklettersteig ist die Alpspitzferrata oder auch der Zugspitze Klettersteig. Beachte aber, dass Wanderrucksäcke oft ein aufwändiges Belüftungssystem aufweisen, und dass durch den Abstand des Rucksackes zum Rücken der Schwerpunkt weit nach hinten gebracht wird.

Dies wirkt sich meist ungünstig in steilen Passagen oder Überhängen aus.

Sonstiges Zubehör zur Klettersteigausrüstung

Socken

Auch spezielle Falke TK Trekkingsocken halte ich für eine sinnvolle Anschaffung – zusätzlich zur Klettersteigausrüstung. Ich habe das erst auch nicht geglaubt, wurde aber eines Besseren belehrt als ich nach der alten Bundeswehr-Regel mit zwei Socken übereinander losgezogen bin. Leider hat das nichts genutzt.

Die erste Lage Socken ist vom Fußschweiß am Fuß kleben geblieben, und die zweite Lage hat die erste Lage dann so richtig schön wie Schmirgelpapier auf dem Fuß bewegt. Das Ergebnis waren wunde Füße. Dann habe ich mir Trekkingsocken gekauft, und seitdem habe ich null Probleme mit Blasen oder sonstigen Abschürfungen an der Ferse, selbst nach einem anstrengenden Klettersteig-Tag.

Höhenmesser

Klettersteigausrüstung: Höhenmesser

Mein Höhenmesser in Aktion (Modell leider nicht mehr erhältlich)

Ich habe bei meinen Klettersteigtouren zusätzlich zur Klettersteigausrüstung auch immer einen barometrischen Höhenmesser dabei. Es gibt verschiedene Ausführungen von Höhenmessern. Du kannst ihn entweder als Uhr am Handgelenk tragen oder zum Beispiel an den Rucksack binden.

Bei einem guten GPS-Gerät ist ein solcher auch meist eingebaut. Die Höhenmessung kann dabei entweder über eine Druckmembran (barometrischer Höhenmesser) oder über GPS Daten vom Satellit erfolgen.

Wenn er nach dem barometrischen Prinzip funktioniert, brauchst du dir keine Sorgen um schlechten Empfang zu machen, der nahe an einer Bergwand mitunter auftreten kann. Wichtig ist hier vor allem der Deltawert an zurückgelegten Höhenmetern.

Man schaut vorher in der Topo des Klettersteiges nach, wieviele Höhenmeter der Klettersteig seiner Wahl besitzt und nullt dann unten am Einstieg den Höhenmesser. Dann hat man zu jedem Zeitpunkt Kontrolle darüber, wieviel man schon geschafft hat und wieviel Höhenmeter noch vor einem liegen.

Vor allem bei langen Alpinklettersteigen kann das sehr gut für die Psyche sein und für Aufmunterung sorgen, wenn man schon leicht erschöpft ist. Meist bieten Höhenmesser auch eine Speicherung von Wegpunkten mit Uhrzeit und derzeitiger Höhe.

So sieht man genau wie lange man für den Klettersteig gebraucht hat. Mit echten GPS Geräten ist mittels Trackaufzeichnung sogar die Ausgabe eines Höhenprofils möglich (wenn man durchgehend Empfang hat).

Trinkgürtel und Bottle Holder

Auf dem Klettersteig ist es wichtig, genügend zu trinken. Sicher, man könnte sich eine Wasserflasche in den Rucksack stecken, doch greift man leider zu selten zur Flasche. Die Routenführung am Klettersteig bietet meist keine Möglichkeit dazu.

Vor allem auf mittelschweren Sportklettersteigen gibt es selten geeignete Plätze, wo man auch mal sicher seinen Rucksack abschnallen kann, um etwas zu trinken. Nicht selten bin ich schon mal vom Einstieg bis zum Ausstieg durchgeklettert – ohne nur einen Schluck Flüssigkeit zu mir zu nehmen. Sollte man nicht machen.

An heißen Tagen ist das sehr gefährlich. Einmal erlitt ich sogar oben am Ausstieg einen Schwächeanfall, bei dem mir schwarz vor Augen wurde. Ich musste mich auf den Boden legen. Auf dem Klettersteig hätte ich Pech gehabt, hätte mich aber mit meiner Bandschlinge mit Rastkarabiner, die ich immer dabei habe, sichern können, bis es mir wieder besser geht.

Als Lösung bietet der Markt Trinkflaschenhalter samt Trinkflasche, den man am Gurt anbringen kann, an. Dies ist auch unter dem Begriff Bottle Holder bekannt. Ebenso gibt es unter dem Begriff Trinkgürtel Haltesysteme für ein oder mehrere Flaschen.

So kann man jederzeit etwas trinken, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen. So ein Trinkflaschenhalter gehört daher schon seit langem auf meine Wunschliste als Ergänzung zur Klettersteigausrüstung.

Kann man auch eine gebrauchte Klettersteigausrüstung kaufen?

Nein, auf keinen Fall. Das Klettersteigset, der Gurt und auch der Helm gehören zu deiner persönlichen Sicherheitsausrüstung, die du auch nicht unbeaufsichtigt verleihen solltest.

Grund ist folgender: Du weißt nicht, wie der Vorbesitzer mit der Klettersteigausrüstung umgegangen ist. Ist die Klettersteigausrüstung vielleicht mit aggresiven Flüssigkeiten in Verbindung gekommen, die die Nähte unbemerkt langsam auflösen oder hat das Klettersteigset vielleicht schon einen mittelschweren Sturz hinter sich?

All das ist unbekannt, und daher solltest du an deine eigene Vernunft appellieren und keine gebrauchte Klettersteigausrüstung kaufen.

Abschluss

Ich hoffe, du weißt jetzt Bescheid, welche Klettersteigausrüstung unbedingt erforderlich ist, und wie man diese mit nützlichem Zubehör ergänzen kann. Außerdem habe ich dir kurz erklärt, warum du zumindestens die Basiskomponenten Klettersteigset, Helm und Gurt auf keinen Fall gebraucht kaufen solltest.

Jetzt kannst du direkt weitermachen und ins nächste Kapitel des Basiswissens starten. Hier geht es um die lebenswichtige Klettersteigbremse.


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