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Leite Klettersteig – Nur auf Reibung ganz ohne Tritthilfen

von Tom | Aktualisiert am 15. Juli 2022 | Lesezeit 7 Minuten

Ort: Nassereith | Klassifikation: Sportklettersteig | Zielgruppe: Fortgeschrittene | Ausgangspunkt: Kletterparkplatz Nassereith, Tieftal | Höhenunterschied: 210 HM | Schwierigkeit: C/D | Notausstieg vorhanden

Hier findest du die Topo zum Download von bergsteigen.com: Topo Leite Klettersteig

Charakter

Der Leite Klettersteig ist ein besonderer Steig. Er kommt ohne eine einzige künstliche Tritthilfe daher! Meist geht es über sehr glatte Platten schräg am Hang nach oben. Eine gehörige Portion an sauberer Beinarbeit und manchmal auch Armkraft ist am Leite Klettersteig nötig, um die steilen Passagen zu meistern. Als Schmankerl ist auch eine luftige Dreiseilbrücke integriert.

Die Route ist nichts für Anfänger – wohl aber für Fortgeschrittene. Manchmal wird der Steig auch Nassereith Klettersteig genannt.

Zur ausführlichen Beschreibung

Bilder vom Leite Klettersteig

Leite Klettersteig Beschreibung

Zustieg

Vom Klettersteigparkplatz in Nassereith (im Ort beschrieben) folgt man nach rechts über ein Feld und dann nach wenigen hundert Metern dem Skilift nach links den Hügel rauf. Über ein kleines Geröllfeld gelangt man schließlich zum Einstieg vom Leite Klettersteig. Hier ist auch genug Platz zum Anlegen der Ausrüstung.

Einstieg über eine Felsvertiefung bis zur Kante

Der Einstieg vom Nassereith Klettersteig sieht zunächst schwierig aus, ist aber eigentlich nur geschickte Reibungskletterei (B). Am ersten Bohrhaken nach der kleinen Felsvertiefung sollte man sich möglichst früh umhängen, bevor man dann den beherzten Schritt auf die Kante wagt.

Hier geht es nach der markanten Höhle rechts vorbei, dann stetig schräg am Felsen entlang bergauf (B und B/C). Seine Tritte in der Felsstruktur muss man sich selber suchen.

Von der Kante bis zur ersten Reibungsplatte C und gleich die zweite Platte C/D hinterher

Bald folgt die erste Schlüsselstelle. Eine glatte Platte (C), bei der auf Reibung geklettert werden muss. Danach wirds kurz etwas flacher und man steigt auf einem schmalen Felsband vom Leite Klettersteig weiter, bevor sich die zweite Reibungsplatte (C/D) ankündigt. Diese Platte ist ähnlich wie die vorherige, aber steiler und länger. Luftig gehts ebenfalls zu.

Hilft nix – da muss man durch. Tipp: Hoch antreten, Risse im Felsen gibt’s genug und dann Seil zwischen die Beine nehmen und möglichst zügig auf Reibung hochklettern. Am Umhängepunkt früh umhängen, so dass du schon mal gesichert bist wenn dir die Puste ausgeht – und glaub mir – das wird sie.

Bald gibts wieder eine Standmöglichkeit. Auf diesem schmalen Grasband gehts recht gemütlich (B) zum Notausstieg des Nassereith Klettersteigs. Aber Halt! – habe ich gerade Notausstieg gesagt? Bei dieser geilen Reibungskletterei will doch keiner notaussteigen (höchstens bei Gewittergefahr). 🙂

Ich kann aber jetzt schon beruhigen. Schwerer als diese beiden Stellen wird der Leite Klettersteig jetzt nicht mehr. Naja, auf jeden Fall gibt es hier einen Notausstieg (A/B), und der führt in einer langen Schleife wieder runter ins Kar.

Weiterer Reibungsaufschwung und Quergang bis zum schmalen Felsband

Es folgt ein weiterer schräger glatter Aufschwung nach rechts (B/C), der aber nicht mehr so krass ausfällt wie der letzte. Dem Aufschwung folgt ein aufsteigender plattiger Quergang (C) im Fels, der bis zu einem schmalen Felsband (A/B) hinaufführt, wo man wieder sicher stehen kann.

Anmerkung: Im ansteigenden Quergang sollte man es sich verkneifen, die Bandschlinge zu benutzen, da der Seilverlauf zu steil ist und es gefährlich werden könnte wenn man dann abrauscht.

Stattdessen lieber auf die Füße achten und sicher auf Reibung hoch das Ganze. Es gibt aber eine Stelle, da ist das Einklinken der Bandschlinge „erlaubt“. Das ist an der Stelle, wo ein kleiner Felsen in den Weg hineinragt und recht ausgesetzt umklettert werden muss. Hier kannst du bedenkenlos die Bandschlinge benutzen, wenn du dich hier aufgrund der Höhe nicht sicher fühlst.

Aufschwung zum nächsten Band und über die „Gelbe Platte“ bis zur Terrasse

Bissel ausgeruht auf dem A/B Band? Gut, denn jetzt folgt ein ziemlich steiler Reibungsaufschwung (C) bis auf das nächste Band vom Leite Klettersteig. Am Aufschwung am besten auch wieder das Seil zwischen die Beine nehmen und zügig rauf.

Am Zwischenanker kann man dann links des Seils wieder sicher stehen und dann auch umklinken. Der Quergang (B) auf einem schmalen Felsband hat es in sich. Er ist zwar nicht steil, aber dafür sehr ausgesetzt. Bei einer Stelle verliert man sogar den Boden unter den Füßen. Hier bietet sich dann der Einsatz der Bandschlinge an.

Kurz vor der „Gelben Platte“ (der Fels ist auffallend gelb an dieser Stelle) wirds nochmal ziemlich glatt. Spätestens am Beginn der „Gelben Platte“ sollte man dann aber seine Bandschlinge ganz schnell wieder ausklinken und am Klettergurt verstauen. Denn jetzt wirds wirklich krass steil und glatt. Die Schlüsselstelle des Leite Klettersteig (C/D).

Als wär es nicht schon schwierig genug, muss man vorher auch noch eine kleine Stufe überwinden. Hier ist richtig Armkraft nötig! Dann gehts ca 5 m hoch (C/D) bis zum nächsten Anker. Doch zu früh gefreut. Von sicherem Stehen kann hier keine Rede sein! Also Zähne zusammenbeißen, umklinken und weiter gehts. Nochmal 5 m steil auf Reibung hoch (C), dann hat man wieder einen einigermaßen guten Stand.

Jetzt folgt eine ordentlich ausgesetzte Querung (C), bei der wieder auf Reibung geklettert werden muss. Achtung, zu steil für einen Einsatz der Bandschlinge! Danach gehts nahtlos über in einen weiteren Steilaufschwung (C) bis zum großen Baum an der Wandstufe.

Allerdings ist dieser Steilaufschwung am Leite Klettersteig durch die vielen Felsstrukturen schön griffig. Man kann mit der richtigen Beinarbeit, siehe Ratgeber Klettersteig Technik, sehr gut die Arme entlasten. Hat man diese Steilstufe überwunden, ist die Terrasse am Leite Klettersteig erreicht, wo man wieder etwas verschnaufen kann.

Steiler Reibungsaufschwung über weitere Platten bis zum Pfeiler

Ausgeschnauft? Gut, denn nach der Terasse gehts erst richtig los. 😉 Es folgt eine weitere steile, aalglatte Platte über 15 m (C/D). Also nochmal Arbeit für die Oberarme. Und vor allem für die Beine. Denn Beinarbeit ist auf dieser spannenden Route besonders wichtig.

Das ist Reibungsklettern per excellence, hier wird vor allem gutes Schuhwerk gefordert. Je höher man kommt, desto flacher wird die Platte. Die Schwierigkeit schwächt sich allmählich von C/D über B/C auf B ab.

Letzter Aufschwung über den Pfeiler zum Marendplatzl

Der nun folgende Pfeiler am Leite Klettersteig fordert nochmal das Letzte an Armkraft ab, bevor man sich endlich am Brotzeitplatz etwas ausruhen und den Ausblick genießen kann. Er sieht von unten recht harmlos aus, doch der erste Eindruck täuscht.

Je höher man klettert, desto mehr merkt man die Schwierigkeit C/D des Felsblocks. Tipp: unten links des Seils vorbei ist erheblich einfacher als oben, wo man den Felsblock auch noch erklimmen muss, während man ihn unten nur streift.

Weiter gehts ziemlich ausgesetzt auf Felsblöcken zu einem kurzen Abstecher zum Marendplatzl, wo sich auch das Steigbuch befindet. Hinter der Bank ist auch ein Seil zum Sichern. Hier genießt man eine tolle Aussicht auf Nassereith und kann sich gefahrlos ins Steigbuch eintragen und die Brotzeit futtern.

Das lange Band bis zur Seilbrücke

Vom Marendplatzl steigt man kurz ab und biegt dann nach links ins lange Band, das zur Seilbrücke des Leite Klettersteig führt. Dieser Quergang (A) ist recht lang, und es müssen immer mal wieder einige Felsen umklettert werden. Das Wichtigste bei dieser Passage ist, auf die Füße zu achten und keinen Steinschlag auszulösen, da man sich nun direkt oberhalb der Kletterrouten befindet.

Ein Schild weist auch auf diesen besonderen Umstand nochmal hin. Besonderes Gimmick in der Herbstzeit ist dabei der weihnachtlich geschmückte Baum mit seinen kleinen Glöckchen und Kugeln. Bei meinen zwei Begehungen im Oktober 2011 und 2014 war er zumindestens immer schön geschmückt.

Die luftige Hängebrücke hoch über dem Tieftal

Ein weiteres Highlight vom Leite Klettersteig Nassereith. Die luftige Dreiseilbrücke (B) hoch über dem Kar des Tieftals. Diese Seilbrücke ist aufgrund der Ausgesetztheit „nicht ohne“. Sie ist aber zum Glück relativ stabil und hat keine Zwischensicherung, wo man die Karabiner umklinken müsste. Also ins linke und rechte Sicherungseil je einen Karabiner eingeklinkt und los gehts.

Wer sich traut, kann in der Mitte der Brücke kurz innehalten und den Kletterern unten zuschauen. Dazu kann man sich vorsichtig mit den Füßen ins Seil stemmen und mit dem Rücken ans linke Seil (Bergseite) lehnen.

Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour

Nach der Seilbrücke folgt nochmal ein mittelschwerer Aufschwung über Platten (B/C), bevor der höchste Punkt am Leite Klettersteig erreicht wird. Achtung, kurz vor Erreichen des höchsten Punkts knickt das Seil plötzlich nach rechts ab. Hier muss man dann einen großen Schritt nach rechts machen.

Ein richtiges „Gipfelerlebnis“ sucht man am Steig vergeblich, da man ja lediglich an einer Flanke des Bergs klettert. Hast du den höchsten Punkt der Tour passiert, gehts nur noch bergab.

Abstieg runter ins Kar

Über eine lange Querung (A) mit einigen Stellen (B) mit vielen Tiefblicken ins Kar gelangt man runter zur Schotterhalde. Achtung – auch wenn es verlockend ist, sich nicht überall einzuhängen, um Zeit zu sparen – Tu das nicht!

Der Pfad ist tückisch und an einigen Stellen ganz schön steil und rutschig. In den Nachmittagsstunden wirst du hier auch gerne mal von der Sonne geblendet, was die Sicht zusätzlich einschränkt. Ich bin auf dem „leichten Pfad“ einmal ausgerutscht – Wär ich nicht gesichert gewesen…

Abstieg vom Leite Klettersteig nach Nassereith

Über das steile Schuttkar gelangt man in spitzen Kehren wieder zurück zum Feld und dann wieder nach rechts zum Parkplatz in Nassereith. Man könnte auch durch das lose Geröll locker flockig „abfahren“. Allerdings ist das von den Bewohnern nicht erwünscht. Ein Schild weist auch darauf hin.

Wer es trotzdem riskiert, handelt auf eigene Gefahr. Besonders die Umknick- und Einklemmgefahr im harten Geröll ist bei dieser Art der Fortbewegung extrem hoch.


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