Skip to main content

Hausbachfall Klettersteig – TÜV geprüft bei Reit im Winkl

von Tom | Aktualisiert am 18. Juli 2022 | Lesezeit 7 Minuten

Ort: Reit im Winkl | Klassifikation: Sportklettersteig | Zielgruppe: Fortgeschrittene | Ausgangspunkt: Reit im Winkl Kriegerkapelle | Höhenunterschied: Zustieg 50 HM, Klettersteig 160 HM | Schwierigkeit: C

Hier findest du die Topo zum Download von bergsteigen.com: Topo Hausbachfall Klettersteig

Charakter

Der Hausbachfall Klettersteig ist der erste TÜV-geprüfte Steig Deutschlands. Darauf ist aber nichts zu geben, denn er ist genauso gut gesichert wie jeder andere Steig auch. Es ist ein reiner Sportklettersteig für Fortgeschrittene an der Flanke der Schlucht des Hausbachs bei Reit im Winkl. Deshalb wird er auch manchmal Reit im Winkl Klettersteig genannt. Der Steig besitzt einige Tritthilfen. Der Fels ist aber an einigen Stellen unangenehm abdrängend.

Nach längeren Regenfällen ist dieser Steig unbedingt zu meiden, da die Schwierigkeiten durch den nassen Fels enorm ansteigen. Bei trockenem Wetter ist der Reit im Winkl Klettersteig ein schöner abwechlungsreicher Steig mit einigen Steileinlagen, vielen luftigen Quergängen, einer krassen Schlüsselstelle und einer kleinen Seilbrücke.

Zur ausführlichen Beschreibung

Bilder vom Hausbachfall Klettersteig

Hausbachfall Klettersteig Beschreibung

Bemerkung

Obwohl der Reit im Winkl Klettersteig nur bis Schwierigkeitsgrad C angegeben ist, fällt die Schlüsselstelle ziemlich krass aus dem Rahmen. Ich würde hier für die Schlüsselstelle subjektiv eher D vergeben. An dieser Stelle geben auch regelmäßig Leute auf und kehren um. Ob der Steig absichtlich abgewertet worden ist, um mehr Leute in die Ferienregion Reit im Winkl anzulocken, bleibt fraglich? Es gibt keinen Notausstieg. Daher ist ein Umkehren in einem solchen Fall unumgänglich.

Zustieg

In Reit im Winkl vom gebührenpfilchtigen Parkplatz am Festsaal den Schildern bis zur Kriegerkapelle/Klettersteig folgen. Am Barfußpark vorbei geht es weiter geradeaus bis zum Schild. Damit man den begrenzten Platz am Einstieg nicht unnötig blockiert, sollte man hier bereits seine Ausrüstung anlegen und den Helm aufsetzen.

Danach über eine Holzbrücke und rechts mit Seilsicherung hinauf über ziemlich steiles Gras zum Einstieg vom Hausbachfall Klettersteig.

Einstiegsleiter und abdrängender Quergang

Die Steilpassage über der Leiter stellt bereits so etwas wie eine kleine Schlüsselstelle (C) dar. Über der 3 m Metallleiter erkennt man rechts und links die Tritthilfen. Diese sind unbedingt zu nutzen. Die Fußreihenfolge ist hier wichtig, sonst hängt man bereits kurz nach dem Einstieg „in den Seilen“ – aber dann eher im negativen Sinne.

Erreicht man das obere Seil, dann hier unbedingt sofort umklinken, damit man wieder gesichert ist.

Jetzt muss man rechts im Quergang teils große Spreizschritte auf die Trittbügel machen. Die Position so hoch oben in der Wand mag einigen sehr unangenehm sein, so auch mir. Außerdem wird der Quergang (A – B/C) zunehmend abdrängender.

Deshalb mein Tipp: Für den langen Quergang der weitgehend horizontal verläuft, kannst du ruhig in unangenehmen Passagen deine 60 cm Bandschlinge (ich hoffe du hast eine dabei) mit ins Seil hängen und dich so von Trittbügel zu Trittbügel vorarbeiten.

Rutscht man dann doch mal ab, passiert nichts, weil man sofort im Gurt hängt. Am nächsten Bohrhaken dann zuerst das Klettersteigset umhängen, dann die Rastschlinge.

So lässt sich diese Passage viel entspannter bewältigen und sogar Fotos schießen. 😉 Manchmal befindet sich das Seil auch tief am Boden. Hier hilft es in die Hocke zu gehen. Es geht nach ca. 50 m rechts um die Ecke und etwas hinunter, dann sieht man auch schon die berühmten drei „Donnerbalken“ vom Hausbachfall Klettersteig.

Die drei Holzbalken bis zur Schlüsselstelle

Die nächste Passage (A – B/C) ist recht easy, aber aufgepasst – die Holzbalken über dem Hausbachfall können rutschig sein. Nach dem ersten Holzbalken folgen ein paar Trittbügel steil nach oben (B/C), die zum nächsten Holzbalken führen. Dieser ist etwas geneigt, daher erhöhte Vorsicht beim Betreten. Achtung, die Bandschlinge ist hier wegen des ansteigenden Seilverlaufs lieber nicht anzuwenden.

Der letzte Holzbalken (A) ist wieder waagerecht aber sehr abdrängend. Man hat förmlich das Gefühl, der Fels möchte einen vom Holzbalken nach links in den Bach schmeißen. Zudem ist das Seil unangenehm tief und sehr anstrengend für die Arme.

Man muss die Arme komplett durchstrecken, dass man nicht hintenüber kippt. Doch es geht auch entspannter. Wie? Mit der Rastschlinge! Am letzten Holzbalken einhängen, in die Hocke gehen und sich langsam herübertasten.

Keine Sorge, man hängt zwar halb überm Abgrund, doch ist perfekt gesichert. Erreicht man das Ende des Balkens, so ist das Klettersteigset unbedingt in die auf über Kopfhöhe nächste Sicherung einzuklinken, sofern man diese gestreckt bereits erreicht.

Blöderweise sind hier viele Muttern und U-Haken im Weg, so dass man die Karabiner über die U-Haken bringen muss. Jetzt darf man nur noch hoffen, dass sich die Karabiner nicht noch beim anschließenden Aufschwung in den Muttern und U-Haken verhaken…

Die krasse Schlüsselstelle (C)

Wenn man seinen Blick nach oben richtet, sieht man einen einzigen Trittbügel und dann erstmal nix mehr. Willkommen zur Schlüsselstelle am Hausbachfall Klettersteig! Der anschließende Steilaufschwung hat es wirklich in sich.

Hier verzweifeln regelmäßig einige Klettersteigler und kehren um. Bei meinen zwei Begehungen vom Reit im Winkl Klettersteig haben wir vom Abstiegsweg jedes Mal Leute beobachtet, die diese Schlüsselstelle nicht gepackt haben und umgekehrt sind.

In meinen Augen auch das einzig Sinnvolle, denn ein Sturz an dieser Stelle kann schlimme Folgen haben. Manche waren auch nur mit Turnschuhen unterwegs. Ein fataler Fehler.

Mit guten Klettersteigschuhen ist diese Stelle zu meistern. Ich empfehle hier für Bergmädels die Salewa Ws Mtn Trainer Mid GTX → zum Test und für Männer die Salewa Ms Mtn Trainer Mid GTX → zum Test. Du musst hier unbedingt auf die Reibung deiner Schuhe vertrauen. Bei Turnschuhen ist es mit Reibung nicht weit her, deswegen haben diese auf einem Klettersteig auch nix zu suchen.

Ok, zurück zur Schlüsselstelle. Tipp: Senkrecht über dem Bügel siehst du einen kleinen Absatz im Fels. Jetzt schau dir die Wand über dir genau an. Du wirst einige Mulden erkennen, die Tritte darstellen sollen. Genau hier muss später als erster Schritt dein linker Fuß rein. Damit stemmst du dich hoch.

Dann steigst du mit dem anderen Fuß mit der Fußspitze in eine der Mulden, und so abwechselnd immer weiter.

Vorsicht, der Fels kann bröselig und auch feucht sein. Sobald du die nächste Zwischensicherung erreichst immer sofort dein Klettersteigset umhängen.

Über eine Reibungsrampe und steiles Gras zur Seilbrücke

Nachdem man die Reibungsrampe (B/C) über recht griffigen Fels geschafft hat (Tipp: Übers Seil steigen), ist der nächste Abschnitt (A/B) schon fast eine Erholung zu den Strapazen zuvor. Es ist jedoch sehr steil.

Da es über erdige grasige Abschnitte geht, ist Vorsicht geboten, dass man nicht ausrutscht. Relativ entspannt geht es zur luftigen Seilbrücke vom Hausbachfall Klettersteig. Das Seil ist hier recht schlaff und liegt manchmal etwas verdeckt im Gras.

Über die Seilbrücke und um die Ecke

Die Seilbrücke (A/B) am Hausbachfall Klettersteig ist eine nette Abwechslung. Es handelt sich um eine Dreiseilbrücke mit gut gespannten Seilen – also recht lässig. Wie man solche Seilbrücken richtig begeht, erfährst du in meinem Ratgeber Seilbrücken und Leitern.

Sonderliche Tiefblicke sind hier auch nicht zu erwarten, denn sie liegt nicht hoch über dem Boden. Anschließend geht es recht leicht (A/B) am Felsen entlang weiter und dann um die Ecke. Der Hausbachfall kommt weiter unten wieder ins Blickfeld.

Plattige stufige Querung luftig hoch über dem Hausbachfall

Diese Passage am Reit im Winkl Klettersteig ist etwas länger und recht abwechslungsreich. Schöne Reibungskletterei (B – B/C) am Fels wechselt sich mit kurzen Steileinlagen, teils mit, teils ohne Trittstufen ab. In waagrechten Quergängen kannst du ruhig deine Rastschlinge zusätzlich einhängen, um zusätzliche Sicherheit zu haben.

Aber bitte wirklich nur an waagrechten Stellen. Achtung, auf diesem Abschnitt vom Reit im Winkl Klettersteig ist es schon öfter vorgekommen, dass man von „Lokalmatadoren“ überholt werden will. Teilweise wird man von hinten bedrängt und genötigt, doch schneller zu gehen. Lass dich nicht hetzen, Sicherheit geht immer vor.

Letzter Aufschwung und über den Baumstamm zum Ausstieg

Der letzte Aufschwung (C) am Hausbachfall Klettersteig hat es nochmal in sich, da du sehr ausgesetzt hoch über dem Abgrund rumturnst. Tipp für diese Stelle: Etwas in die Knie gehen und mit der Stemmtechnik arbeiten. Immer kleine Schritte nach oben machen und sich gegebenenfalls einspreizen.

Etwas am Seil ziehen ist auch nötig. Hier helfen gute Handschuhe ungemein. Ich kann dir nur meinen Geheimtipp der Connex Handschuhe ans Herz legen.

Diese Handschuhe haben einen unglaublichen Grip. Anschließend geht es recht moderat (A/B) zum Baumstamm. Der Baumstamm quert den Bach. Hier bitte nicht übermütig werden und noch auf den letzten Metern (B) in den Bach fallen und die Schlucht hinunterstürzen…

Immer das Klettersteigset einhängen. Ist das Ende des Baumstammes erreicht, so hast du den Hausbachfall Klettersteig bezwungen! 🙂

Optional: Verlängerung der Tour zum Wetterkreuz

Wer noch nicht genug hat und noch Zeit und Lust hat, kann vom Ausstieg des Reit im Winkl Klettersteig in etwa einer Stunde auf das Wetterkreuz wandern und den Ausblick und eine zünftige Brotzeit auf dem Gipfel genießen. Hierzu einfach den gelben Schildern folgen.

Zuerst durch den Wald, dann quert man eine Forstpiste, auf dieser dann über eine Wiese und dann irgendwann mal links auf einem Pfad abbiegen.

Danach geht es gemütlich ansteigend über mehrere Wegweiser zum Wetterkreuz. Für den Abstieg wählt man den gleichen Weg, den man heraufgekommen ist. Achtung es gibt hier einige Wege zurück, immer auf dem mit dem schwarzen Punkt bleiben. Schließlich gelangt man wieder zum Ausstieg des Klettersteigs.

Abstieg vom Hausbachfall Klettersteig

Durch den Steig wird der Abstieg nicht empfohlen, sagt ein Schild. Dieses ist ernst zu nehmen. Daher geht man auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht hinunter und kann dabei fortwährend den gesamten Steig einsehen und auch Leute beobachten, wie sie sich abquälen. 😉 Vor lauter Gucken aber auch auf den Weg achten, denn der Abstiegsweg nach Reit im Winkl ist teilweise sehr steil.

Manchmal sind auch Seile zum Festhalten da. Auch die Schlüsselstelle bei den Holzbalken kommt bald ins Blickfeld und man kann entspannt zusehen, wie andere Klettersteigler die Stelle meistern – oder auch nicht. Der Weg führt immer weiter hinunter, an der Kapelle vorbei und dann zurück zum Parkplatz.


Gefällt dir der Beitrag? Ich freue mich, wenn du ihn weitersagst:

Ähnliche Beiträge